Wie wir bereits im Blogbeitrag über das Arbeitszeugnis im Allgemeinen angekündigt haben, befassen wir uns in diesem Beitrag gesondert und detailliert mit dem „Zeugniscode„. Was ist eigentlich ein „Zeugniscode„? Welcher Code ist zulässig und welcher ist unzulässig? Welche Zeugnisaussage bedeutet nach diesem Code was? Es klingt gut beim Lesen, aber ist es das auch wirklich?

Erfahre es hier an ausgewählten Beispielen aus der Praxis und teste Dich einmal selbst!

Wo wird der meist unzulässige Code im Zeugnis eingebaut?

Die meisten Abschnitte eines üblichen Aufbaus eines qualifizierten Arbeitszeugnisses sind reine Tatsachendarstellungen. Diese mit unterschwelligen Aussagen zu versehen macht praktisch keinen Sinn. Dennoch solltest Du diese auf inhaltliche Richtigkeit prüfen. Der Zeugniscode selbst wird in der Regel bei der Leistungs- und Verhaltensbeurteilung eingesetzt. Dort geht es ausschließlich um Dich.

Hinweis:

Solltest Du nachfolgende Beispiele besonders negativer Art in einem Zeugnis entdecken, das Dir dein Arbeitgeber erteilt hat, solltest Du umgehend handeln! Du wirst allerdings manchmal feststellen, dass negative Subbotschaften im Zeugnis häufig Ausfluss von subjektiven Unzufriedenheiten deines Arbeitgebers sind, die manchmal lediglich durch Missverständnisse entstanden sind. Diese im fairen Gespräch auszuräumen kann Dir manchmal helfen, Deinen Arbeitsplatz zu erhalten und das Klima dort wieder deutlich zu verbessern. Manchmal ist sich ein Arbeitgeber gar nicht bewusst, wie gut oder schlecht das durch ihn erstellte Zeugnis wirklich ist.

Beispiel eines Arbeitszeugnisses mit Zeugniscode

Wir haben uns den Spaß erlaubt und einen Auszug eines fiktiven Arbeitszeugnisses für einen fiktiven Arbeitnehmer erstellt. Dieses soll eine Grundlage für Dich sein, in die Du Dich einmal inhaltlich hineindenken und selbst prüfen kannst:

Hinweis:

Wir verwenden in diesem Beitrag, ausgehend vom Beispiel wo unser Lawpanda als „Zeugnisopfer“ herhalten muss – er ist männlich, stets die männliche Form. Selbstverständlich gelten die Inhalte analog auch für die weibliche Form. Liebe Frauen, bitte fühlt euch durch diese hier getroffene Festlegung nicht benachteiligt, sie dient der Vereinfachung. Wir versprechen die Formen in zukünftigen Beiträgen stets durchzuwechseln.

Musterformulierungen zum Zeugniscode im arbeitszeugnis
Musterbeispiel für codemäßige Formulierungen im Arbeitszeugnis

Und was denkst Du? Inhaltlich kommt immerhin jeder Punkt des notwendigen Zeugnisaufbaus vor.

Klingt doch im ersten Moment ziemlich vernünftig, wenn nicht sogar recht gut, oder? Kommt Dir beim Lesen irgendetwas komisch vor? Entspricht der Text Deinen Erwartungen an ein Arbeitszeugnis? Welche Stelle fällt Dir ins Auge und Du wüsstest gerne mehr? Sollen wir die Fragen auflösen? Warte es ab, die Auflösung haben wir für Dich weiter unten gesetzt.

Zeugniscode – Beispiele zur Leistung

Die Leistung muss im Arbeitszeugnis Aussagen zu Arbeitsbereitschaft, Arbeitsweise und Fachkompetenz aufweisen. Zusätzlich werden auch Aussagen zu Aufgaben und Erfolgen darin aufgenommen. Wir sehen uns hier im Beitrag exemplarische Notenformulierungen und anschließend die kreativen Negativbeispiele an und übersetzen diese für Dich.

Aussagen zur Arbeitsbereitschaft

Die Arbeitsbereitschaft drückt meistens aus, wie engagiert, eigeninitiativ, flexibel und motiviert ein Arbeitnehmer ist:

NotenstufeFormulierungsbeispiel
„sehr gut“… war in höchstem Maße engagiert und zeigte außerordentliche Eigeninitiative.
„gut“… zeigte stets große Initiative und ein hohes Maß an Engagement.
„befriedigend“… war stets motiviert und zeigte eine gute Arbeitseinstellung.
„ausreichend“… erledigte die Aufgaben motiviert und gewissenhaft.
Beispiele für verschiedene Notenstufen und Formulierungen zur Arbeitsbereitschaft

Die Notenstufen „mangelhaft“ und „ungenügend“ haben wir hier ausgeklammert. Nach der Rechtsprechung darf ohne triftigen Grund keine schlechtere Bewertung als mindestens „befriedigend“ erfolgen. Die Notenstufen ergeben sich meist durch Steigerungen der Adjektive und durch Wörter wie „stets„, „jederzeit“ oder „immer„. Selbst die Note 4 klingt dabei sogar noch gut, es fehlt dabei aber das Signalwort, dass diese Eigenschaften jederzeit festgestellt werden konnten.

Zeugniscode für Arbeitsweise

Aussagen zur Arbeitsweise sollen darstellen, wie der Arbeitnehmer die Aufgaben konkret umgesetzt hat:

NotenstufeFormulierungsbeispiel
„sehr gut“Alle Aufgaben wurden selbstständig, mit großer Gewissenhaftigkeit und äußerster Sorgfalt erledigt.
„gut“… setzte seine Aufgaben stets selbstständig mit großer Sorgfalt und Genauigkeit um.
„befriedigend“… Aufgaben erledigte er stets schnell und zufriedenstellend.
„ausreichend“… Aufgaben erledigte er schnell und zufriedenstellend.
Beispiele für verschiedene Notenstufen und Formulierungen zur Arbeitsweise

Inhalte zur Fachkompetenz

Die Fachkompetenz wird auch gerne Arbeitsbefähigung genannt. Aussagen drücken hier aus, ob und in welchem Umfang der Arbeitnehmer für die konkrete Position fachlich geeignet und befähigt gewesen ist:

NotenstufeFormulierungsbeispiel
„sehr gut“… meisterte neue Arbeitssituationen stets sehr souverän.
„gut“Neue Arbeitssituationen bewältigte er stets sehr gut.
„befriedigend“… meisterte neue Arbeitssituationen erfolgreich.
„ausreichend“… passte sich an neue Arbeitssituationen jederzeit an.
Beispiele für verschiedene Notenstufen und Formulierungen zur Arbeitsbefähigung

Aussagen zum Arbeitserfolg

In diesem inhaltlichen Punkt zum Arbeitserfolg drückt der Arbeitgeber im Zeugnis aus, wie die Arbeitsergebisse von diesem wahrgenommen wurden. Dabei findet er seine Bewertung häufig indem er die Leistungen vergleichbarer Arbeitnehmer miteinander vergleicht. Das drückt sich in der Formulierung oft darin aus, dass das Verhältnis im Rahmen des Vergleiches sprachlich von einem „Durchschnittsergebnis“ ausgeht:

NotenstufeFormulierungsbeispiel
„sehr gut“… zeigte stets herausragende Arbeitsergebnisse.
„gut“… zeigt stets eine gute Qualität der Arbeit.
„befriedigend“… Arbeitsqualität liegt über dem Durchschnitt.
„ausreichend“Die erbrachte Arbeitsqualität entsprach unseren Erwartungen.
Beispiele für verschiedene Notenstufen und Formulierungen zum Arbeitserfolg

Gesamtleistung

Die Gesamtleistung stellt eine abschließende Gesamtbeurteilung der Leistungsbeurteilung dar. Dieser Punkt wird in der Praxis manchmal vergessen. Wichtig ist einerseits, dass diese Punkt im Zeugnis aufgenommen wurde und andererseits, dass die darin vorzufindende Gesamtnote sich auch rechnerisch aus den vorangegangenen Einzelnoten ergeben muss. Kommt es hier zu Widersprüchen zu den vorangegangenen Inhalten zur Leistung, weiß jeder, dass an der Bewertung „etwas faul“ sein muss, diese Bewertung vielleicht sogar eingeklagt wurde (falls die Gesamtleistung deutlich besser ist, als die Einzelpunkte rechnerisch ableiten lassen). Die Wertung muss also im Kontext stimmig sein.

NotenstufeFormulierungsbeispiel
„sehr gut“Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllte er stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.
„gut“… war ein wertvoller Mitarbeiter und erfüllte seine Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.
„befriedigend“… Leistungen stellten uns jederzeit zufrieden.
„ausreichend“Alle ihm zugetragenen Aufgaben wurden ordnungsgemäß erledigt.
Beispiele für verschiedene Notenstufen und Formulierungen zur Gesamtleistung

Besondere“ Codevarianten zur Leistung

Nicht immer gibt eine Formulierung nur den notwendigen Standardinhalt nach Notenstufen wider, sondern geht auch bei der Leistung inhaltlich unterschwellig darüber hinaus. Nachfolgend werden dazu einige beispielshafte „Highlights“ der Praxis abgebildet und deren Übersetzung aufgeschlüsselt:

PraxiscodeUnterschwellige Aussage
… verfügte über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen.… hatte eine große Klappe, nichts dahinter.
… zeigte für seine Arbeit Verständnis und Interesse.… nur gearbeitet hat er nicht.
… verstand es Aufgaben zu delegieren.… war faul und wälzte die Arbeit auf andere ab.
… setzte sich im Rahmen seiner Fähigkeiten ein.… ist leider komplett unfähig.
… hat alle Aufgaben zu seinem und im Interesse der Firma gelöst.… beging Diebstahl und fiel durch schwere Vergehen auf.
… durch seine Pünktlichkeit war er ein gutes Beispiel.… allerdings nur in Hinsicht auf die Pünktlichkeit.
… machte sich mit großem Elan an die ihm übertragenen Aufgaben.… chaotischer konnte man kaum sein.
Praxisbeispiele zur unterschwelligen Codes zur Leistung

Codevarianten zum Verhalten

Dieser Zeugnispunkt ist die Stelle im Zeugnis, wo abseits der Notenstufen die „ganz harten“ Formulierungen eingearbeitet werden. Es wird hier das Verhalten zu internen und externen Stellen bewertet und überdies noch eine Aussage zum eigenen Verhalten des Arbeitnehmers generell getroffen. Dabei kommt es bei sehr verstimmten Arbeitgebern hier sehr häufig vor, dass der kreative Versuch unternommen wird, dem Arbeitnehmer „nochmal eine reinzuwürgen„. Hier geht es vor allem um sprachlich ungewohnte Inhalte, über die der Leser nachdenken soll um die unterschwellige Aussage zu erkennen. Vor allem bei verhaltensbedingten Kündigungen bauen Arbeitgeber hier gerne auch einen entsprechenden Hinweis unterschwellig ein. Nachfolgend werden dazu einige „Highlights“ des unrühmlichen Alltags abgebildet und deren Übersetzung aufgeschlüsselt:

PraxiscodeUnterschwellige Aussage
… verfügt über Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen.… ist mehr als alles andere arrogant. Ein Angeber!
… zeigte ein stets sehr gutes Einfühlungsvermögen in die Belange der Belegschaft.… flirtete mehr, als dass Arbeitsleistung erbracht wurde.
… kam mit allen gut zurecht.… ein Mitläufer, der sich überall anpasst und keine eigene Meinung vertritt.
… Geselligkeit trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.… trinkt gerne mal während der Arbeit.
… war tüchtig und in der Lage, die eigene Meinung zu vertreten.… kann überhaupt nicht mit Kritik umgehen.
… war ein umgänglicher und kontaktbereiter Kollege.… den keiner leiden konnte und der stets gemieden wird.
… wusste sich stets gut zu verkaufen.… unverbesserlicher Wichtigtuer, der immer im Mittelpunkt stehen will.
… zeigte eine erfrischende Art im Umgang mit anderen.… ist frech und hat keine Manieren.
Praxisbeispiele zur unterschwelligen Codes zum Verhalten

Auslassungen als geheimer „Zeugniscode

Hinweis:

Im Aufbau vom Zeugnis gibt es einige optionale Bausteine, die nicht zwingend sind und weggelassen werden können. Gemeint ist hier konkret, das zwingende Pukte bei entsprechenden Auslassungen in der Leistungs- oder Verhaltensbeurteilung einen negativen Code darstellen.

Oft ist nicht nur der Inhalt durch die gewählten Formulierungen ein Problem, sondern gerade der Umstand, dass ein wichtiger Inhaltspunkt komplett fehlt. Es gilt dabei der sprichwörtliche Grundsatz:

Wenn man über jemanden überhaupt nichts Gutes sagen kann, sagt man lieber gar nichts.

Sprichtwort im Volksmund

Hatte man aufgrund der Tätigkeit beispielsweise zwangsläufig Kundenkontakt und wird dieser durch eine Auslassung in der Verhaltensbeurteilung überhaupt nicht dargestellt, bedeutet das übersetzt, dass sich es hier über den Arbeitnehmer überhaupt nichts Gutes zu berichten gibt. Jedem halbwegs geschulten Personaler wird diese Auslassung sofort ins Auge springen! Auch das ist Zeugniscode!

Umstellungen als Zeugniscode

In Arbeitszeugnissen hat sich praktisch oft auch bei Aufzählungen eine gewisse Reihenfolge herausgebildet, die bei Einhaltung Gutes ausdrückt, bei Umstellungen Nachteiliges abbilden kann. Auch das kann Ausfluss von einem Zeugniscode sein.

Beispielsweise beim Sozialverhalten gegenüber anderen gilt die Reihenfolge der Hierarchie nach von oben nach unten und zusätzlich interne vor externen anderen.

Richtig ist daher folgende Aussage: … Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich und einwandfrei. Stellt man dies nun beispielsweise um wie folgt: … Verhalten gegenüber Kollegen, Vorgesetzten und Kunden war stets vorbildlich und einwandfrei, so drückt das letztlich nachteilig über den Arbeitnehmer aus, dass dieser ein Problem mit den Vorgesetzten gehabt haben könnte. Achte also auf die richtige Reihenfolge bei Aufzählungen.

Auflösung unseres kleinen Zeugnistests

Okay, jetzt hast Du eine grobe Ahnung zu den Notenstufen und zu Formulierungen im Arbeitszeugnis – also zum „Zeugniscode„, die Dir helfen können, unser kleines eingangs dargestelltes Formulierungsbeispiel zu bewerten. Was kam bei dir raus? Hey! Nicht schummeln!

Das obige Beispiel ist ein Zeugnis, das inhaltlich unbedingt angefochten werden müsste!

Es entspricht in Hinsicht auf die Notenstufen bei der Leistung der Note 4,25 und beim Verhalten der Note 5. Darüber hinaus enthält es Formulierungen, die im „Subkontext“ missverständlich sind und vorsätzlich negative Dinge behaupten. Das Zeugnis ist aufgrund der gesetzlichen Regelung des § 109 Absatz 2 Satz 2 GewO in dieser inhaltlichen Form unzulässig:

Auswertung der Formulierungen und des Zeugniscodes am Beispielstext
Auflösung zum Musterbeispiel für codemäßige Formulierungen im Arbeitszeugnis

Wenn man nicht schreiben darf was wahr ist, was ist dann mit der Zeugniswahrheit

Wow jeder Arbeitgeber denkt jetzt, dass der Wert eines Arbeitszeugnisses erheblich reduziert wird.

Es gibt doch das Gebot der Zeugniswahrheit, warum darf dann in vielen Punkten nicht „Tacheles“ geschrieben werden? Der Gesetzgeber sieht das so, dass Du Dich ja zukünftig nicht mehr „mit dem Arbeitnehmer herumärgern“ musst. Deshalb sollst du es nach dem Willen des Gesetzgebers aber auch auf sich bewenden lassen und darfst die berufliche Zukunft des Arbeitnehmers nicht negativ beeinflussen oder erschweren.

Lieber Arbeitgeber keine Angst, wenn Du ein Arbeitszeugnis erteilt, bei dem Du grundsätzlich mindestens die Note „befriedigend“ vergeben sollst, kannst Du trotzdem ausnahmsweise auch schlechter benoten, wenn du das begründen und beweisen kannst. Auch kannst Du ja optionale Teile im Zeugnis weglassen. Es gibt trotz allem auch weitere praktische „Tricks“ um rechtmäßig auszudrücken, was man eigentlich meint.

Hinweis:

Die Schlussformel mit der typischen Dankes-, Bedauerns- und Wünscheformulierung kann beispielsweise gerichtlich nicht eingeklagt werden, da darauf kein gesetzlicher Rechtsanspruch besteht. Lässt Du diese als Arbeitgeber weg, distanzierst Du Dich sehr deutlich vom Arbeitnehmer. Das ist allerdings sehr offensichtlich und stellt auch Dich in ein fragwürdiges Licht.

Besser für alle Seiten ist es, Du lässt lediglich ein einziges Wort („weiterhin„) oder einen Teil dieser drei Aspekte weg und integrierst diese Schlussformel im Übrigen vollständig im Zeugnis. Damit wirkt das Zeugnis rund und abgeschlossen, keine Partei verliert ihr Gesicht und Du hast einen Kontext gesetzt, der auch Deinem Standpunkt gerecht werden kann, wenn Du unzufrieden mit dem Arbeitnehmer warst. Was damit konkret gemeint ist? Kontaktiere uns gerne.

RA Martin Millon informiert Dich

Von mir erfährst Du spannende und interessante Bereiche zu vielen rechtlichen Themen.


Hast Du einen Wunsch für einen zukünftigen Beitrag kommentiere diesen einfach hier oder nutze unser Kontaktformular dazu.

RA Martin Millon

Schreibe einen Kommentar

fünfzehn − 12 =